Maurer

Im Dachauer Land wird in Kloster Indersdorf erstmals ein Maurer im Jahre 1223 urkundlich erwähnt.[1] Allerdings gestaltete man zunächst nur Burgen und Schlösser sowie Sakralbauten wie Kirchen und Klöster aus Stein. Später kamen dann Mühlen, Wirtshäuser und andere wichtige Gebäude für die Allgemeinheit dazu. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg setzte sich der ländliche Steinbau allmählich durch. Bis ins späte 18. Jahrhundert allerdings war Holz der vorherrschende Baustoff für bäuerliche Gebäude.[2]

 

Maurer vom 17. bis 19. Jahrhundert

 

Im 17. und 18. Jahrhundert waren im Dachauer Land schon einige Maurermeister tätig. So sind in den Kirchenrechnungen des Pfarramtes Ampermoching einige Maurermeister aus der Umgebung zu finden, die an der hiesigen Pfarrkirche St. Peter samt Friedhofsmauer Arbeiten tätig waren.[3] 1694 führte ein Maurermeister von Schönbrunn verschiedene Arbeiten aus. Für drei Tage Arbeit erhielt der Meister pro Tag 24 Kreuzer, der „Mertltrager“ 15 Kreuzer. Ein Laib Brot (4 Pfund) kostete um 1700 acht Kreuzer. Für die Ausbesserung der Friedhofsmauer erhielt der Maurermeister von Vierkirchen, Georg Weigl, im Jahre 1699 für vier Tage Arbeit 22 Kreuzer pro Tag, sein Geselle für fünf Tage 18 Kreuzer pro Tag. Ein Ampermochinger Tagwerker, der den Mörtl rührte, bekam für seine Arbeit 12 Kreuzer pro Tag.

Die Maurer erledigten auch Arbeiten, die man nicht unbedingt bei einem solchen vermutete. So besserte ein namentlich unbekannter Maurer das Dach der Sakristei für 20 Kreuzer am Tag aus. Auch Johann Würth, Maurer in Dachau, hat die „falsch und schier nitmehr gegangene Kürchen Uhr“ [4] repariert. Für diese Tätigkeit erhielt er im Jahre 1711, ohne Angabe, wieviel Zeit er dafür benötigte, 6 Gulden.[5] Der gleiche Maurer Würth hat ein Jahr später die „Kürchen inwendtig völlig ausgeweisst“. Für dieses Ausmalen der Kirche, für die er neun Tage brauchte, erhielt er 20 Kreuzer pro Tag. Für einen Jungen [Lehrling] der ihm sechs Tage dabei half, berechnete er 10 Kreuzer für einen Tag.

1717 wird erstmals ein Ampermochinger Maurer genannt: Matthäus Pürkh. Dieser erhielt für einen halben Tag Arbeit an Sakristei und Kirchentüre 10 Kreuzer. Die kleine Landwirtschaft, die er ebenfalls betrieb, trug den Hausnamen „Maurerschneider“.[6]

Im selben Jahr schickte Hans Georg Ettenhofer, Stadtmaurermeister von München, seinen „Pallier“ [Polier] sowie drei Gesellen nach Ampermoching. Der Totenkerker[7] musste samt Vorhäusl abgebrochen und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden.

1737 stand eine größere Renovierung der Pfarrkirche an: Der Turm, das Kirchendach und die Friedhofsmauer waren ruinös. Auch eine neue Decke musste eingezogen werden. Hierfür wurde neben anderen Gewerken der Schloss-Maurermeister Georg Glonner aus Dachau beauftragt. Außer dem Meister waren acht Gesellen, ein Mertlrührer und fünf Tagwerker oder Handlanger tätig. Hier wurde die finanzielle Abstufung der Tätigkeiten wieder sichtbar: Meister erhielten 26, Gesellen 20, Mertlrührer 14 und die Handlanger 12 Kreuzer pro Tag.

In dieser Zeit war es üblich, dass der Auftraggeber das Material und die Rohstoffe stellte. Der Auftragnehmer war als Lohnhandwerker tätig und verrechnete nur seine aufgewendete Arbeitszeit.[8]

 

Das Bauunternehmen Eggl in Ampermoching

 

Korbinian Eggl, von Beruf Maurer, erwarb 1871 das Anwesen Haus Nr. 46 in Ampermoching. Dessen Sohn Thomas (1881–1942) gründete 1908 darin ein Bauunternehmen. Ein Jahr später kam noch der Handel mit Baustoffen hinzu. Auch zwei weitere Söhne beschäftigten sich beruflich mit dem Baugewerbe. Beide gründeten jeweils einen Baustoffhandel in Dachau sowie in Röhrmoos. Nachdem Thomas Eggl im Jahre 1906 ein Grundstück gekauft hatte, errichtete er in Ampermoching das Wohnhaus und die Wirtschaftsgebäude mit der Hausnummer 77. Seit der Heirat mit Maria Klingensteiner im Jahre 1910 betrieben sie dort ein Bauunternehmen mit angeschlossener kleiner Landwirtschaft. Im Jahre 1912 beschäftigte Thomas Eggl bereits teilweise sieben Personen.[9] Im Ersten Weltkrieg wurde Thomas Eggl eingezogen. Die Auswertung der Meldeunterlagen an die Landkrankenkasse der Jahre 1927 bis 1935[10] ergab über die Beschäftigten folgendes: In diesem Zeitraum waren 80 Arbeiter im Betrieb angestellt. 41 Maurer, 31 Hilfsarbeiter, zwei Gelegenheitsarbeiter, zwei Maler und vier Lehrlinge, darunter auch der Sohn Albert. Da bei Frost nicht gemauert werden konnte, war die Bausaison spätestens am 15. Dezember (1933) zu Ende, konnte aber auch bereits schon am 21. November (1932) der Fall sein. Begonnen wurde frühestens 26. Februar (1934), zog sich aber schon mal bis 22. April (1929) hin. Nur in dieser Zeit wurde man angestellt. Das galt auch, wenn keine Arbeit da war oder sonst eine Auftragslücke entstand. Bei Bedarf wurde man wieder neu angeheuert. So kamen z.B. 1935 bei einem Maurer fünf Anstellungen mit insgesamt 21 Wochen Beschäftigungsdauer zustande. Nur zwei Maurer erreichten im Jahre 1927 durchgehend die Anstellung während der ganzen Saison mit 35 Wochen. Für die meisten aber bedeutete dies nur eine Arbeit von einigen Tagen bis zu einigen Monaten im Jahr. Das galt im Übrigen auch für die Lehrlinge. Den Rest des Jahres war man auf andere Einnahmequellen angewiesen. Der Großteil der Arbeitskräfte war im Alter von 20 bis 35 Jahren, einige 40 und 50jährige waren auch dabei sowie zwei mit 64 bzw. 67 Jahren. Die Wohnorte der Beschäftigten lagen im Umkreis von 16 Kilometern. Es fällt auf: Die Hilfsarbeiter kamen meist aus Ampermoching oder den nahen gelegenen Orten, während die gelernten Maurer einen weiteren Weg auf sich nahmen. Georg Werner jun., der Enkel von Thomas Eggl, erinnert sich an ein Gespräch mit seiner Mutter Mathilde: „Do war da Hiasl aus Vieaboch, a Maura, der hod zerscht seine Viecha vasorgn miassn, dann is a midn Radl noch Moching gfahrn, do war der um sieme do. Der is bestimmt um sechse losgfahrn, bei dene Straßn domois.“ [11]

1930 ereignete sich für die Familie Eggl ein folgenschwerer Unfall. Der Amperbote berichtet: „Am Montag [31. März 1930] erlitt die Maurermeistersgattin Maria Eggl von Ampermoching einen Unfall. Sie hatte mit einem Wagen Zement in Röhrmoos geholt. Am abschüssigen Zieglberg geriet sie unter den Wagen, wodurch ihr ein Fuß zweimal abgedrückt wurde.“[12] Obwohl sie mit dem Sanitätsauto sofort nach München ins Krankenhaus eingeliefert wurde, starb sie am nächsten Tag. Sie hinterließ, wie es in dem zeitgenössischen Zeitungsbericht hieß, „sieben unmündige Kinder und ihren Gatten.“[13] Das jüngste Kind war gerade mal zwei Jahre alt.

Thomas Eggl war sehr fortschrittlich. Er erwarb 1934 eine Betonmischmaschine, eine große Erleichterung für seine Arbeiter. Er baute Wohnhäuser, Ställe, landwirtschaftliche Nebengebäude, Umfassungsmauern, Brücken etc. Mit dem Grafen Martin Spreti von Unterweilbach stand er sieben Mal in Geschäftsbeziehung. Eine Postkarte des abwesenden Grafen beweist das Vertrauen zu Thomas Eggl, es heißt unter anderem: „Alles Weitere ersuche ich Sie selbständig zu veranlassen.“ „Die Wertschätzung des Grafen war an der Teilnahme bei der Beerdigung meines Großvaters zu erkennen“, so Georg Werner jun. 1942 starb Thomas Eggl.[14] Sein Sohn Albert, der die Firma übernehmen sollte, wurde zum Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg einberufen. Der nächste Schicksalsschlag folgte 1944: Albert Eggl fiel in Nordfrankreich. Nun musste die ältere Schwester, Mathilde Eggl, den Betrieb übernehmen. Sie heiratete 1947 den Maurer Georg Werner, der das Baugeschäft bis zum Jahre 1949 weiterführte. Sein schweres Kriegsleiden aber führte 1960 zu seinem Tod. Im Jahre 1961 wurde der Baustoff- und Kohlenhandel eingestellt.

 

Das Maurerhandwerk ab 1950

 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges herrschte im ganzen Land eine große Wohnungsnot. Die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge, die zunächst in den meist landwirtschaftlichen Gehöften notdürftig untergebracht wurden, brauchten wieder eine Wohnung. Es entstand ein riesiger Bauboom, der den Mangel an Wohnraum beseitigen sollte. Die Bauunternehmung Otto Reischl in Dachau, 1905 gegründet, hatte nach Aussage von Georg Ziller im Jahre 1956 ungefähr 700 Beschäftigte.[15] Davon waren 100 Lehrlinge und Umschüler. Die zweitgrößte Dachauer Maurerfirma, Thomas Herrmann[16] hatte laut Sepp Demmelmayr Ende der 50er Jahre 100 Mitarbeiter.[17]

Georg Ziller aus Ampermoching, wurde 1949 aus der Volksschule entlassen und suchte eine Lehrstelle. „Domois is ois Maura worn. Do hod a jeda a Arbat kriagt. I hob beim Reischl z‘Dacha glernt.“[18] Hans Fitterer, der mit seiner Familie aus Ungarn flüchten musste, wollte nicht unbedingt Maurer lernen, „weil mein Onkel war Maurer, mei Vadda war Maurer und mein Großvater war a Maurer. Des war bei uns scho Tradition. Es war awa nix anders do.“ [19] Also wurde auch er Maurer. Zuerst fing er 1951 im Maurerbetrieb der Anstalt Schönbrunn als Lehrling an. Aber nach einem Jahr hatte der Betrieb keinen Meister mehr. Folglich musste er sich eine neue Lehrstelle suchen und fand sie in seinem Wohnort Prittlbach bei der Firma Bigl. Drei Mann und zwei Lehrlinge waren die Belegschaft.

Hans Sedlmeier aus Edenhausen hatte einen ganz anderen Einstieg in das Berufsleben.[20] Sein Vater war bereits 1952 verstorben. Seine Mutter musste deshalb mit den Einnahmen aus der kleinen Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt für sich und die beiden kleinen Kinder bestreiten. Da war es eine große Hilfe, als Hans 1961 aus der Volksschule kam. Damit mehr Geld in die Familienkasse kam, musste er mit seinem Arbeitslohn die Familie unterstützen. Er fing bei einer kleinen Firma im Aichacher Raum als Hilfsarbeiter an. „Der Stundenlohn war damals Brutto 2,40 Mark, die Halbe Bier kostete im Vergleich dazu auch schon ein Fuchzgerl.“ 1973 erlangte er mit der Prüfung vor der Handwerkskammer seinen Gesellenbrief im Betonbauer Handwerk. In einem zweijährigen Meisterkurs bildete er sich anschließend zum Maurermeister fort. Zehn Jahre später absolvierte er auch noch die Prüfung zum Zimmerermeister. Bereits 1979 gründete er seine eigene Baufirma, die er bis zum Erreichen des Rentenalters betrieb.

Die Lehrzeit im Maurerberuf betrug drei Jahre. Zur Berufsschule ging man einmal pro Woche. Sie fand in der Zieglervilla in der Ludwig Dill Straße in Dachau statt. Georg Ziller zur Klassenstärke: „Z´Dacha in da Berufsschui, do warn zwoa Klassn, weil des so vui warn. Do warn ganz vui Umschüla do, de wo praktisch koan Beruf ghabt hom, vom Krieag hoamkema san, 25, 30 Johr oda 40zge, de san dann Maura worn.“ F.D.[21] zum selben Thema: „Do warn ma glei 53ge. Do warn natürli a Oiddare [Ältere] dabei, so Umschüla. De san dortmois scho mid‘m Modorradl kemma. Do hom mia grod so gschaugt.“[22]

Der Lohn wurde wöchentlich ausbezahlt. F.D. erhielt 6 DM, Georg Ziller erhielt pro Stunde im ersten Lehrjahr 23 Pfennige, im zweiten 26 Pfenige und im dritten Lehrjahr 49 Pfennige. Die wöchentliche Arbeitszeit betrug 51,5 Stunden, später dann 48 Stunden. Am Samstag wurde bis Mittag gearbeitet. Das Werkzeug musste von den Maurern selbst angeschafft werden, auch von den Lehrlingen. Das war auch 1966 noch so, als Hans Kohl aus Ampermoching seine Lehrstelle im Maurerhandwerk antrat. Hans Kohl, geb. 1952, war Lehrling bei Thomas Herrmann in Etzenhausen von 1966 bis 1969. Er machte anschließend die mittlere Reife im zweiten Bildungsweg. Dies befähigte ihn, ein Architektur-Studium aufzunehmen. Später gründete er ein Architekturbüro. Hans Kohl erinnert sich, als er das Werkzeug beschaffen musste: „Da oid Soola [Sattler] hod mia aus a oidn Wehrmachtsplane, aus an ganz an guadn Stoff, de hod mei Vadda dahoam ghabt, an Seesoock gmacht fürs Werkzeig. Dann san mia zum Wächter [eine Eisenhandlung in Dachau] gfahrn und hom as Werkzeig kafft.“[23] Hans Kohl fiel auch gleich auf: Da gab‘s schon richtige Herrenmaurer. Auch das Äußere musste stimmen. Hans Kohl: „Und wos domoi no wichtig war: d‘Maura weiß gekleidet, weiße Kappe, weiße Jackn, weiße Hosn. De hom do scho an gewissn Stoiz ghabt. A Huifsarbeita hätt se des ned draud.“

Eine Baustelle begann mit dem Ausheben der Baugrube. Die Firma Otto Reischl hatte zu dieser Zeit schon einen alten Bagger, der während der Kriegszeit in Italien im Einsatz war. Georg Ziller erinnert sich: “Da Baggafahra hod den Bagga ned hintlassn und is mid dem Bagga auf da Strass vor de Amerikana oiwei weida gfahrn und hod den Bagga so hoambrocht.“

 

Die harte Arbeit des Maurers

 

Bei den kleineren Firmen war das Ausheben des Kellers nach dem Krieg reine Handarbeit. Hilfsarbeiter mussten mit der Schaufel in der Hand die Grube ausheben. Sepp Demmelmayr: „Wenn da in Dachau-Ost bei da Friedlandsiedlung Kies rausganga is, dann is der mid de Eisnschubkarrn rausgschobn worn und so Heiffa gmacht worn. Des war a Ploogarei. Dann is a durch a Sieb durchgworfa worn. Da Sand is zum Mauern gnomma worn und da Kies glei zum betoniern vom Fundament und zu de Kellawänd vawendt worn. Da Roikies is aussn rum an Haus neikemma.“ Zur Lagerung von den feuchtigkeitsempfindlichen Baustoffen wie Kalk und Zement, aber auch zur Aufbewahrung von Arbeitsgeräten und Werkzeug sowie als Unterkunft für die Pausen der Arbeiter, wurde zunächst eine Bauhütte aufgestellt. Diese Hütten wurden von einer Baustelle abmontiert, zur nächsten transportiert und wieder aufgebaut. Sie bestanden aus Holzbrettern, die praktisch in Modulbauweise zusammengefügt wurden. Hans Sedlmeier musste die Bauhütte befüllen: „Wenn de Baustoi oganga is, dann is a Laschtzug voi Koich und Zement, wos ungfahr braucht worn is, kema. Des hob i oiwa olodn miassn. Aloa olodn, de ganze Bude voi. Da Zement, da Sock, des warn 50 Kilo, und da Koich Binda warn 40 Kilo. Do homma auf de Zementsäck dam [droben], do is dann Brotzeit gmacht worn. Do war koa Disch ned drin und gor nix. Und Middog.“ Sepp Demmelmayr zum Transportwesen in der Firma: „Thomas Herrmann hod in dera Zeit noch koan LKW ghabt. Die Materialien wurden vo de Roß transportiert. Er hod domois no nebnbei de Landwirtschaft betriem.“ Die Sanitäreinrichtungen waren damals äußerst sparsam ausgestattet. Hans Fitterer sagte dazu: „Mia hom do newa da Bauhüttn a Loch ausgrom, Schoideckel rundrum zamgnogld und vorn an Vorhang hieghängt. So san mia aufs Kloo ganga.“ Der Ampermochinger Sepp Demmelmayr ergänzt: „Wia ma dann obzogn san, is des Loch mid Erdn wieda zuagfuid worn.“

Das Betonieren der Fundamente lief laut F.D. folgendermaßen ab: „Wia des Fundament ausghobn war, is da Kies neigschütt worn. Dann san do a poor Sackl Zement drüba gschütt worn. Zwoa Mann links und rechts hom des dann durchgmischt und in da mittn war a Lehrbua. Der hods midm Recha oiwei recha miassn.“ Dann wurde die Schalung für die Keller Außenwände aufgebaut. Dazu wurden meist einzelne Bretter verwendet. FD: „ Mid Droht san de Breda zamdrallt worn, dass as ned ausananda druckt hod. De Breda san noch dem betoniern olle wieda sauwa gmacht worn und wieda ausgnoogld worn, füa de nächste Baustoi. Erst wia i dann ausglernt hob, is a modernerne Schalung kema.“ Georg Ziller erinnert sich noch an seine erste Baustelle 1949, ein Spenglerei Gebäude in Dachau, und berichtet über das Betonieren: „Da is mid an oidn Barras Lastwong da Kies brocht worn, der is hiekippt worn. Dann hom ma an Zement naufgschmissn. Dann hom ma den zwoa Moi durchgschaufed. Beim drittn Moi is dann a Wassa dazuakema. Do hods koan Lescha Mischa und nix gebn. Do hods bloß an Schubkarrn mid Eisenradl gebn.“ Bei den großen Bauten, die das Bauunternehmen Otto Reischl vorwiegend ausführte, wurde allerdings schon mit großen Betonmaschinen gearbeitet.

Nachdem die Außenwände des Kellers betoniert waren, wurden die Zwischenwände gemauert. Da wurden meist 24 cm Hochformat Ziegel verwendet. Darauf folgte die Kellerdecke. Diese wurde ebenfalls betoniert. Die Schalung war komplett aus Holz. Es gab noch keine Stahlbolzen oder Stahlstützen.

Baustahlgewebe gab es zu dieser Zeit noch nicht. Da mussten Rundeisen zur Armierung geflochten werden. „Do hom ma no so Rundeisen bindn miassn, do hods laudda so Stangl gebn. Do hom ma a no de Schienan, de Eisnbahnschienan ghabt.“ so Sepp Demmelmayr. Der Verfasser dieser Zeilen kann die Art der Eisenbewehrung bestätigen. Bei dem Abbruch 2017 eines Einfamilienhauses von 1954 kamen neben Doppel-T-Trägern auch Eisenbahnschienen in der Kellerdecke zum Vorschein. Auch war noch kein Baustahlgewebe verbaut.

War die Kellerdecke betoniert, wurde mit dem Mauern des Erdgeschosses begonnen. „Vom Schafflik[24] san do de Stoa kema, de Zieaglsplitt“, so Sepp Demmelmayr. Der Mörtl wurde nach bewährtem Muster von Hand gerührt. Hans Fitterer: „An Mörtl macha mid da Hand. Keine Maschine, nix. Mia hom a große Pfanna ghabt, de war 40ge hoch und zwoa auf zwoa Medda. Do hom ma an Mörtl ogmacht, zum Mauern. Der is dann vo de Leid [Bauherren], meistens Flüchtling, reitrogn worn. Und mia hom gmauad.“

Die Decke über dem Erdgeschoss bei den Einfamilienhäusern wurde aus Holz gefertigt. Sepp Demmelmayr dazu: „Des andere obn drom, des is na laudda Tramlaga [Holzbalkendecke] worn.“ Die Steine für das obere Stockwerk wurden ganz pragmatisch hoch befördert. Hans Fitterer: „Anfangs, do hom ma d‘Stoana no mid da Kraxn nauftrogn. In Hebatshausen hom ma moi an Stoi baut. Do hod da Bigl d‘Stoana mid da Gobe naufgschutzt, und oana hods drobn aufgfangt. Auf‘m Grüst. Dann is wieda weida gmauad worn.“ Das Gerüst bestand damals aus Fichtenstangen, die in den Boden eingegraben wurden. Mit Gerüstketten wurden die Querhölzer befestigt und darauf Holzläden gelegt.

War dann von den Zimmerern der Dachstuhl aufgestellt, wurde Richtfest gefeiert. Da gab es meistens Bier und Würstl vom Bauherrn. F.D.: „Des Högschde war, wenn a Richtfescht gwen is. De andan warn ja doch scho oidda, do hoscht du ois Lehrbua a gmoant, du muascht do a zwoate Hoiwe Biea dringa. Am nägschdn Doog bischt so haude beinand gwen, dascht ned gwisst hoscht, wo hint und vorn is. Oamoi hod da Maschinist zu mia gsagt: ‚Du, wenn i heid nimma guad beinanda bin, dann huifscht ma aufs Modorradl nauf.‘ Do warn ma in da Wirtschaft beim Hupfloher gwen. Wias so weid war, dann san ma naus. I hob eam as Modorradl naus gschom, hob eam nauf ghoiffa, und olassn. Dann is a a bissl links und rechts gfahrn und is de Schleissheima Strass nauf gfahrn. Do war ja nix los auf da Strass. Des war so 57 oda 58. Am nächschdn Doog is a wieda in d‘Arwad kema, mid‘n Modorradl, wia wenn nix gwen war.“ Wenn ein Bauherr allerdings meinte, das Richtfest könnte er sich sparen, so hatten die Maurer dazu ihre eigene Antwort. Hans Kohl dazu: „Und wenn‘s koa Richtfest gebn hod, dann hom de Maura a poor Doog späda an oidn stumpfn Biaknbesn, oda wos ghabt hom, an Kamin oda an Doochstui naufgoogld und hom laare Bieaflaschn hieghängt.“

Heute wird nach wie vor gemauert. Aber Mörtel und Beton rührt heute niemand mehr von Hand an. Es wird teilweise sogar ganz auf Mörtel verzichtet. Selbst ein Ziegelmauerwerk wird heute geklebt. Da kommt der Betonmischwagen und liefert das Produkt in gewünschter Menge und Zusammensetzung zeitgerecht an der Baustelle an. Der Baukran bringt das Material an den richtigen Platz und wird von den Maurern verarbeitet.

Rückblickend auf das Maurerleben sind sich aber alle Beteiligten einig: Hans Fitterer: „Am Anfang wars scho schwer.“ Sepp Demmelmayr: „Des is na scho oiwei leichta worn, awa mia san scho gschundn worn.“ Und Georg Ziller: „Den Putz vom Bodn in da Wanna nema und auf Deck nauf weaffa, des war a Schinderei. I draam no a diamoi davo. Awa, i war Maura mid Leib und Seele“

 

 



[1] Max Gruber: Ländliche Profanbauten. In: Amperland 3 (1967) H 3, Seite 32. Der Name des Maurers ist nicht bekannt.

[2] Ebd.

[3] Pfarrarchiv Ampermoching, Kirchenrechnungen

[4] Zitat aus Kirchenrechnungen, Pfarrarchiv Ampermoching

[5] 60 Kreuzer sind ein Gulden

[6] Der Hausname „Maurerschneider“ wird in der Liste der Berechtigten der Gemeindegrundverteilung von 1717 genannt, Pfarrarchiv Ampermoching

[7] Im Totenkerker wurden Skelettteile verwahrt, die bei der Neubelegung eines Grabes ausgegraben wurden.

[8] Rüffelmacher, Ingeborg: Ehrsames Handwerk. (Kulturgeschichte des Dachauer Landes, Bd. 5) Museumsverein Dachau e.V. 1992, S. 11

[9] Aus „Anmeldung zur Gemeindekrankenversicherung, für Oktober 1912.“ Privatunterlagen, zur Verfügung gestellt von Georg Werner jun.

[10] „An- und Abmeldebuch zur Krankenkasse für Thomas Eggl, v. 1.1.1927 mit 31.12.1935“. Privatunterlagen, zur Verfügung gestellt von Georg Werner jun.

[11] Telefon-Interview am 12.02.2021 mit Georg Werner jun., Enkel des Firmengründers Thomas Eggl

[12] Amperbote vom 2.4.1930, Stadtarchiv Dachau

[13] Amperbote vom 3.4.1930, Stadtarchiv Dachau

[14] Otteneder, Georg: Gewerbe, Handel und Dienstleistungen in der Gemeinde Hebertshausen. In: Amperland 21 (1985), Heft 3, Seite 137

[15] Telefon-Interview am 09.02.2021 mit Georg Ziller, geb. 17.9.1934.

[16] Heimatbuch Landkreis und Stadt Dachau, hrsg. v. Landkreis und Stadt Dachau 1971, Seite 247: Thomas Herrmann sen. machte sich als Maurer 1930 in Etzenhausen selbständig. Nach der Heimkehr vom Krieg führte er das Unternehmen weiter.

[17] Telefon-Interview am 15.02.2021 mit Josef Demmelmayr, geb. 1937, Etzenhausen. Alle Zitate von ihm sind dem Interview entnommen.

[18] Telefon-Interview am 09.02.2021 mit Georg Ziller, geb. 17.9.1934. Alle Zitate von ihm sind dem Interview entnommen.

[19] Telefon-Interview am 03.02.2021 mit Hans Fitterer, geb.2.6.1936. Alle Zitate von ihm sind dem Interview entnommen.

[20] Telefon-Interview am 15.02.2021 mit Hans Sedlmeier, geb. 7.2.1947 aus Edenhausen. Alle Zitate von ihm sind dem Interview entnommen.

[21] Name ist dem Autor bekannt.

[22] Telefon-Interview am 15.02.2021 mit F.D. geb. 1939, aus Dachau lernte Maurer bei einem Maurerbetrieb in Dachau. Alle Zitate von ihm sind dem Interview entnommen.

[23] Telefon-Interview mit Hans Kohl, geb. 1952, am 11.03.2021. Alle Zitate von ihm sind dem Interview entnommen.

[24] Lt. „Heimatbuch Landkreis und Stadt Dachau“, wie Anm. 18, Seite 249: Fa. Schafflik und Sohn KG, Hersteller von Hohlblocksteine in Beton- und Ziegelsplitt. Die Familie stammte aus Oberschlesien und gründete 1947 die Firma in Dachau-Ost


Thema: Arbeitswelten - Geschichte(n) über Handwerk und Gewerbe
Autor: Josef Glas
Quelle: Name nicht genannt
Ort: Markt Indersdorf

Bilder


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